Dr. Oetker Stories

Backpulver und Hafenromantik – Dr. Oetker in Hamburg

Mit Hamburg verbinden wir Fischbrötchen, die Reeperbahn und vor allem natürlich den Hafen. Lange Zeit ist aber auch Dr. Oetker typisch für die Stadt an der Elbe. Zwei Werke produzieren zwischen 1924 und 1969 Backpulver, Pudding und Maisstärke in der weltoffenen Hansestadt.

Backpulver und Hafenromantik – Dr. Oetker in Hamburg

9.11.2022 Geschichte

Das erste Dr. Oetker Werk im heutigen Hamburg-Altona wird am 1. Mai 1924 gegründet. Bis 1937 war die Stadt Altona noch selbständig. Die neue Produktion soll das Stammwerk in Bielefeld entlasten und Transportwege ins Ausland verkürzen. Doch ist dies nicht die erste Verbindung der Familie Oetker mit der Hansestadt.

Familiäre Starthilfe

Der Bruder des Unternehmensgründers Louis Carl Oetker gründet 1870 in Altona eine Marzipanfabrik. Er stirbt 1884 und sein Neffe Albert Oetker übernimmt die Geschäfte. Der Name des Unternehmens wird beibehalten, da er gut am Markt eingeführt ist. Unter Alberts Führung entwickelt sich der Betrieb zur weltweit größten Marzipanfabrik. In den 1920er Jahren wird die Marmeladenproduktion unter der Marke „Dompfaff“ aufgenommen. Das Ende des Betriebs in Altona kommt in der Nachkriegszeit. Bis heute prägt noch der eindrucksvolle Schornstein des Werkes das Viertel in Altona-Bahrenfeld.

Start im Elbspeicher

Die Produktion im Dr. Oetker Werk in Hamburg ist zunächst auf die Hilfe der Altonaer Verwandten angewiesen. In den ersten Wochen findet in den Räumlichkeiten der Marzipanfabrik die Abfüllung von Backpulver händisch statt. Im Juni 1924 kann dann ein umgebauter Elbspeicher an der Großen Elbstraße bezogen werden. Dieser bietet nicht nur viel Platz, sondern auch einen direkten Zugang zum Hafen und damit dem internationalen Warenverkehr. Das Werk wächst und die maschinelle Automatisierung erfolgt schnell. 1928 wird bereits durch Ankauf benachbarter Gebäude das Werk erweitert. Das Hauptabsatzgebiet ist Nord- und Ostdeutschland. Um 1930 wird ein eigenes Boot erworben, die Schute „Ursula“, benannt nach der Enkelin des Unternehmensgründers. Das Boot übernimmt einen großen Teil der Lieferung von Fertigwaren zu Binnen- und Seeschiffen beziehungsweise zu Lagerschuppen im Hafen. Es werden auch Rohwaren transportiert.

Dr. Oetker Werksneubau am Grünen Deich

In den 1930ern wird den Verantwortlichen bewusst, dass der Standort in Altona nicht ausreichend erweitert werden kann. Deshalb wird ein Werksneubau geplant. 1940 wird ein Gelände am Grünen Deich in Hamburg-Hammerbrook erworben, 1941 startet die Produktion. Doch erst nach dem Krieg kann der Ausbau in vollem Umfang stattfinden. 1950 wird zusätzlich am Standort eine Maisstärkefabrikation eingerichtet. Die Stärke ist eines der wichtigsten Ausgangsprodukte für Dr. Oetker, beispielsweise für Puddingpulver.

Über die Jahre wird das Werk immer wieder um neue Anlagen ergänzt. Es werden Aufzüge, Fließbänder und Transportbrücken zwischen den Gebäuden und Etagen gebaut, um die Roh- und Fertigprodukte leichter transportieren zu können. Eine Parkgarage, ein asphaltierter Parkplatz, eine Wagenwaschhalle, ein Umkleideraum, Aufenthaltsräume, eine große Lagerhalle und einige weitere Projekte werden bis Anfang der 1960er Jahre gebaut bzw. abgeschlossen.

Luftaufnahme des Dr. Oetker Werks in Hamburg 1968

Eine farbige Luftaufnahme von 1968. Ein Jahr später wird der Standort verkauft. Heute wird hier immer noch Stärke produziert.

Aus wirtschaftlichen Gründen wird der Standort Ende der 1960er dann aber doch aufgegeben. Die Marktverhältnisse haben sich rapide verändert. 1969 erfolgt der Verkauf an ein Fremdunternehmen. Bis heute ist das Werk aber in Betrieb und stellt weiterhin Stärke am Standort Grüner Deich her.

Claus-Carsten Andresen

Pressesprecher Unternehmens- und Produktgeschichte / Archiv